GLÜCK IM UNGLÜCK FÜR NADINE SCHNEIBERG

Schon Friedrich Torberg zitierte seine legendäre Tante Jolesch mit den Worten: "Gott soll uns vor all dem schützen, was grad noch ein Glück is...".
Dieses Motto galt auch für Nadine Schneiberg bei der 26. Europameisterschaft der Lehrlingsfahrer, die am 4. Septemer 2011 auf der Rennbahn Akbuzat in Ufa, der Hautpstadt der Republik Bashkortostan (RUS) abgehalten wurde.
"Grad noch ein Glück" war es nämlich, dass Nadine bei einem kapitalen Sturz im 4. Wertungslauf "nur" mit Prellungen an der Hüfte und einer Beule am Kopf davon kam, wo sogar der Sturzhelm im Brüche gegangen war...

Aber chronologisch der Reihe nach:

Schon der Empfang am Flughafen der Millionenmetropole Ufa (nach insgesamt siebenstündiger Flugreise durch zwei Zeitzonen) glich dem einer Staatsdelegation: 2 Fahrer, ein offizieller Delegationsleiter und eine Dolmetscherin kümmerten sich unermüdlich um die kleine österreichische Reisegruppe. Nach einem kurzen Sightseeing durften wir dann erstmals ein "Dinner Russian Tradition" kennen und schätzen lernen, bei dem sich im skurillen Unmfeld einer privaten Reha-Klinik nicht nur die Tische bogen, sondern auch das eine oder andere Glas einer weltweit bekannten russischen Spezialität getrunken werden musste.


Am Sonntag war es dann soweit: Das moderne Hippodrome Akbuzat, erst 2008 völlig neu errichtet, beeindruckte mit einer von japanischen Stararchitekten errichteten, supermodernen Tribüne, einer 1000-Meter-Trabrennbahn und einer 1.200 Meter-Galopprennbahn. Erst jetzt wurden die Pferde für die vier Rennen von den 11 Teilnahmern selbst gelost (der Schwede Anders Svanstadt war wegen Visaproblemen nicht angereist), wobei das dritte und das vierte Rennen jeweils als 2. Heat der ersten beiden Rennen ausgetragen wurde und die Fahrer jeweils die Pferde zu fahren hatten, die entgegengesetzt zu ihrer eigenen Platzierung im ersten Lauf eingekommen waren (d.h. der Sieger des ersten Rennens fuhr im dritten Rennen das letzte Pferd des ersten Laufes usw.).


Leider konnte das Pferdematerial mit der Qualität der sonstiger Organisation nicht mithalten, vor allem die inländisch gezogenen Orlow-Pferde erwiesen sich teilweise als extrem schwierig und nicht immer trabsicher.


Den lokalen und regionalen Stellenwert der Veranstaltung konnte man u.a. daran erkennen, dass der Staatspräsident von Bashkortostan mit seiner gesamten Regierung am Rennplatz anwesend war und die EM wie Olympische Spiele feierlich eröffnete. Die Eröffnungszeremonie, an der mehr als 70 Sänger, Tänzer, Reiter und Artisten teilnahmen, dauerte über eine Stunde, der gesamte Renntag wurde live im lokalen TV und im Moskauer TV übertragen.


Nadine konnte im ersten Wertungslauf nach langer Führung und einer Behinderung im Einaluf mit Platz 6 die einzigen nennenswerten Punkte sammeln, während sie in Lauf 2 und 3  jeweils Pferde zu fahren hatte, die alles andere als Intersse an einer Trabaktion hatten. Für den letzten Lauf hatte Nadine eigentlich das beste Pferd das Tages zugeteilt erhalten und lag nach guten Start aus der 2. Reihe auch gleich auf Platz 6. Nun nahm das Schicksal seinen Lauf, das Pferd der unmitelbar vor ihr fahrenden Russichen Teilnehmerin sprang kurz an und diese parierte ihr Pferd fast in den Stand zurück, wodurch Nadine auffuhr und in hohem Boden aus dem Sulky geschleudert wurde. Obwohl sie benommen auf der Bahn liegen blieb und das fahrerlose Pferd mitten im Feld mitlief, wurde das Rennen nicht abgeläutet, sondern zu Ende gefahren. Da auch zwei weitere Teilnehmer aufgrund des Sturzes angehalten hatten, eine sichelich nicht reguläre Entscheidung der Rennleitung, die glücklicherweise keine weiteren negativen Folgen hatte.


Wie schon eingangs erwähnt, kam Nadine gerade noch glimpflich davon und konnte die prächtige Siegerehrung und das wieder traditionell Russiche Abschlussdinner mit excellenter Livemusik schon wieder ein wenig genießen.


Europameister der Lehrlinge wurde schließlich der talentierte Mailänder Walter Tonesi vor Ole Oste aus Norwegen, der die beiden letzten Rennen gewinnen konnte und Hannu Torvinen aus Finnland.


Hier der genaue Endstand der EM:


1. Walter TONESI (ITA)                45

2. Ole OSTRE (NOR)                42

3. Hannu TORVINEN (FIN)        38

4. Gert SUCAET (BEL)                34

5. Liudmila LYUBIMOVA (RUS)        32

6. Sebastiana POCOVI SALENNS (ESP)         27

7. Tatiana ZUBNOK (EST)        26

8. Jesse TER BORGH (NED)        23

9. David DOBROVOLNY (CZE)        18

10. Nadine SCHNEIBERG (AUT) 11